Der Artikel wurde am 23.10.2017 veröffentlicht.


Mikwe in Busenberg abgerissen – Ein Stück Kulturgut in der Südwestpfalz vernichtet

Von Otmar Weber



Am 20. September 2017 hat die Untere Denkmalsbehörde in Pirmasens auf telefonische Anforderung ca. 30 Veröffentlichungen aus der örtlichen Presse erhalten, die sich seit Anfang der 1990er Jahren mit der Geschichte der Busenberger Mikwe beschäftigen, auf die Gefährdung ihres Bestandes hinweisen und ein Tätigwerden der zuständigen Denkmalsbehörde fordern. Viele der Beiträge endeten mit dem Satz: „Im Wasgau ist auf engstem Raum noch das gesamte jüdische Ambiente erhalten. In Dahn Synagoge und jüdische Schule; in Busenberg zwei jüdische Schulen, der jüdische Friedhof und eine Mikwe (rituelles jüdisches Bad) - einmalig in der Pfalz.“

Diese Aussage trifft jetzt nicht mehr zu.
Denn am Samstag, 21. Oktober 2017, ist das Mikwehaus in Busenberg von seinem Besitzer, Theo Meigel, abgerissen worden. Das Mikwehaus stand über 150 Jahre in der Talstraße 8. Es war das einzige noch erhaltene Mikwehaus in der Pfalz. Ein Kleinod aus dem 19. Jahrhundert, das unbedingt zu erhalten gewesen wäre.
Das Vorhandensein der Busenberger Mikwe ist in einer Aktenlage, die im Archiv der Verbandsgemeinde Dahner Felsenland verwahrt wird, ausführlich dokumentiert. Dort ist zu lesen, dass die jüdische Kultusgemeinde Busenberg schon vor über 150 Jahren um Funktion und Erhalt ihrer Mikwe kämpfen musste. So hat der Kantonsphysikus (Kantonsarzt) aus Pirmasens in den Jahren 1864/1867/1868 bei der vorgeschriebenen jährlichen Untersuchung des Mikwewassers in Busenberg Verunreinigungen festgestellt, die von benachbarten Dunggruben herrührten und einen Besuch der Mikwe problematisch machten. Gegen diesen Zustand hat sich die jüdische Gemeinde mit einer Klage zur Wehr gesetzt. Dem dafür erstellten Gutachten ist ein „Plan zu dem Gutachten über die Verunreinigung des israelitischen Frauenbades zu Busenberg“ beigelegt.

Es ist eine wichtige historische Aufgabe und zugleich Verpflichtung, den noch greifbaren Bestand an Zeugnissen jüdischer Kultur in unserem Raum zu bewahren. Hier hätten die Denkmalsbehörde, aber auch die politisch Verantwortlichen in Dahn und Busenberg längst tätig werden müssen.
Nach dem Abriss müssen zwei Fragen beantwortet werden:
• Warum hat die Untere Denkmalbehörde in Pirmasens keine Unterschutzstellung vorgenommen, obwohl sie seit den 1990er Jahren darauf hingewiesen wurde?
• Welche Behördenstelle der Kreisverwaltung hat dem Besitzer der Mikwe die Abrissgenehmigung erteilt oder den Abriss gefordert?
P.S. Eine Stimme von vielen:
„ … wieder einmal kann ich da nur den Kopf schütteln über so viel Unverstand und Verlogenheit ("Gedenkkultur ist wichtig..." etc.). Warum konnte man das nicht verhindern?!

Dahn, den 22.10.2017 – Otmar Weber




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