Dahn im Januar 2007


Das Mikwehaus in Busenberg

Von Otmar Weber



Die Busenberger Mikwe, das einzige Mikwehaus in der Pfalz, steht in der Talstraße 8. Bei den Einheimischen ist das alte Gebäude bis heute als „Badehäusel“ bekannt. Schon von jeher hatte das jüdische Ritualbad in Busenberg um seine Existenz zu kämpfen. Im Jahre 1838 wird dem Bad von Bürgermeister Johann Müller ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Dieser berichtet am 18. Februar an das Landkommissariat Pirmasens (entspricht heute der Kreisverwaltung), „daß das Kellerbad der hiesigen Israelitinnen in sehr schlechtem Zustand sich befindet, daß dasselbe mit einer äußerst schlechten Thüre verschlossen, von allen Seiten der Kälte ausgesetzt, und gegenwärtig mit einer Eisdecke von einigen Millimetern überzogen ist.“ Auch der Pirmasenser Bezirksrabbiner Juda Oppenheimer weiß 1835 wenig Schmeichelhaftes über den Zustand der Mikwe der damals 141 Juden zählenden Kultusgemeinde Busenberg zu berichten. Er teilt in seinem Bericht an das Landkommissariat Pirmasens mit, dass das Einzelstehende Badehaus zu Busenberg sehr schlecht erhalten und dem Verfalle nahe ist. Die Unterhaltung desselben unterbliebe, weil die größtenteils armen Israeliten mittellos seien.

Die Auseinandersetzungen in den 1860er Jahren gingen zwischen der israelitischen Kultusgemeinde und den Angrenzern an das Mikwehaus um die Verunreinigung der Quelle für das benötigte Badewasser. In einem Gutachten vom 09. Juni 1864 heißt es, dass die Verunreinigung aus jüngster Zeit stamme und von den Veränderungen in der Umgebung des Badehauses herrühre. Als Hauptverursacher der Verunreinigung wird die Dunggrube des Bauern Joseph Weiss bezeichnet, deren Pfuhlwasser durch den Boden in den Brunnen eindringt. Als weitere Verursacher werden in der Nähe befindliche Schweineställe und ein Abtritt genannt. Dem Gutachten über die „Verunreinigung des israelitischen Frauenbades“ ist ein Lageplan des Dahner Ingenieurs Mertins beigefügt, der den genauen Standort des Mikwehauses, die es umgebenden Nachbarsgebäude so wie die Quellen der Verunreinigung detailliert aufführt. Die Gebäude sind auf dem Plan gelb, Brunnen/Quelle, Bad und Abfluß sind blau coloriert.
Aus einer Kostenberechnung vom 14.01.1861, die der Königliche Bauassistent Köhler für das Landkommissariat Pirmasens erstellt hat, werden penibel die Maurer-, Steinhauer-, Putz-, Zimmerer-, Dachdecker- und Schlosserarbeiten für das neu einzurichtende israelitische Badehaus aufgeführt: So soll der schadhafte Putz erneuert werden (9,3 qm zu 3,40 Gulden), der Wasserbehälter über der Treppe mit Steinen und hydraulischem Mörtel ausgemauert werden (14,00 Gulden), eine wasserdichte Badewanne aus Backsteinen hergestellt und innen und außen mit einem 1 cm dicken Portlandzementverputz versehen werden (18 Gulden), ein neuer Kamin ist aufzuführen (12,30 Gulden), ein neuer Pumpenstock mit Zieheinrichtung, hölzernem Schwengel und zwei Röhren zum Kesselherd und zur Badewanne sind zu installieren (30,00 Gulden). Alle Arbeiten und Kosten werden detailliert aufgeführt. Die Gesamtkosten sind mit 160,00 Gulden angegeben. Mit Schreiben vom 22. April 1861 hat die israelitische Kultusgemeinde einen Kredit von 160,00 Gulden erhalten, den sie in vier Jahren zurückzahlen musste. Nach der Wiederherstellung und der neuen Einrichtung des Badehauses ging es in den folgenden Auseinandersetzungen ausschließlich um die verunreinigte Quelle.
Die vorhandenen Planskizzen und die schriftlich geführten Auseinandersetzungen, in denen es um die Wasserqualität und den Zustand des Badehauses geht, belegen in eindeutiger Weise, dass das alte Gebäude in der Talstraße, in der Tradition der Einheimischen „Badehäusel“ genannt, eindeutig das Busenberger Mikwehaus ist. Sogar die bei der Renovierung von 1861 erwähnte aufgemauerte Badewanne ist heute noch in dem Mikwehaus zu sehen. Eine eingehende Untersuchung, die immer noch aussteht, hätte diese Tatsache schon längst bestätigt. Wer Türe und Fensterläden der Mikwe genauer betrachtet, kann Ähnlichkeiten mit den Synagogentüren in Dahn feststellen. Bei der Eindeutigkeit der Beweislage ist es unverständlich, dass das Mikwehaus in Busenberg nicht unter Denkmalschutz gestellt ist, sondern behördlicherseits immer noch Bedenken gegen die Echtheit des Mikwehauses vorgebracht werden.
Nach den baulichen Veränderungen, die der jetzige Besitzer Theo Meigel seit November/Dezember 2006 zur Erhaltung des Mikwehauses an der Rückwand vorgenommen hat, ist Eile geboten, das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen. Da die Unterschutzstellung nicht nur mit fachlicher Beratung, sondern auch mit bescheidenen finanziellen Zuwendungen verbunden ist, ist dies der einzig richtige Weg.

Es ist eine historische und moralische Verpflichtung, den noch greifbaren Bestand an Zeugnissen jüdischer Kultur in unserem Raum zu bewahren. Eines der letzten jüdischen Zeugnisse im Wasgau ist das Mikwehaus in Busenberg. Es handelt sich um ein Denkmal gemeinsamer Kultur. Ihre Bewahrung ist zugleich Pflege der eigenen Geschichte. Dies sollte ausreichende Motivation für Theo Meigel, die Gemeinde Busenberg und die untere Denkmalschutzbehörde in Pirmasens sein, das historische Mikwehaus in Busenberg unter Schutz zu stellen.


© Arbeitskreis Judentum im Wasgau, Otmar Weber, Schillerstrasse 10b, 66994 Dahn


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