Dahn im November 2007


Zweite Stolpersteinverlegung in Dahn, Busenberg und Erlenbach

Von Otmar Weber



Am 21. November 2007 wurden in Dahn, Busenberg und Erlenbach durch den Kölner Künstler Gunter Demnig fünfundzwanzig STOLPERSTEINE verlegt.
Gunter Demnig macht seit 1995 durch seine Kunstaktion STOLPERSTEINE die Spuren einzelner Opfer des Nationalsozialismus wieder sichtbar. Auf kleinen Messingtafeln schlägt er ihre Namen und, soweit bekannt, ihr Schicksal ein. Die STOLPERSTEINE lässt er als Denkmale in den Bürgersteig ein, unmittelbar vor den ehemaligen Wohnstätten der Opfer. Inzwischen erinnern in rund 280 Orten in Deutschland, Österreich und Ungarn über 12.500 STOLPERSTEINE an die Verschleppung und Ermordung von Juden, Sinti und Roma, Euthanasie-Opfern, Zeugen Jehovas und andere Opfergruppen. Das Ziel der Nazis war die totale Vernichtung ihrer Opfer. Sie brandmarkten die Opfer durch eine Nummer, ermordeten sie, verbrannten sie und zerstreuten zur endgültigen Auslöschung ihres Namens die Asche. Die Opfer sollten für immer namenlos gemacht werden. Das Stolperstein-Projekt will die Opfer dem Vergessen entreißen, ihnen wieder ihren Namen und ihre Würde zurückgeben.
Mit den 13 STOLPERSTEINEN vom Juni letzten Jahres und den 9 STOLPERSTEINEN, die jetzt gesetzt werden, haben in Dahn alle NS-Opfer, soweit bekannt, einen Gedenkstein erhalten. Ebenso sind mit 6 STOLPERSTEINEN auch in Erlenbach alle NS-Opfer, soweit bekannt, mit einem Gedenkstein bedacht. In Busenberg werden zu den 10 STOLPERSTEINEN, die jetzt gesetzt werden, mindestens noch weitere 10 Steine für NS-Opfer hinzukommen. Dazu bedarf es aber noch intensiver und aufwendiger Recherchen. Die Gelder für diese Steine sind durch Patenschaften schon erbracht und auf einem Sonderkonto der VG Dahner Felsenland deponiert. All denen, die Patenschaften übernommen und gespendet haben, sei auf diesem Weg ein herzliches Dankeschön gesagt.
Möge die Stolpersteinverlegung in den drei Wasgaugemeinden für die Stadt Pirmasens und weitere Gemeinden in der SWP eine Ermutigung sein, diesem Beispiel zu folgen.



Nachfolgend sind die fünfundzwanzig jüdischen NS-Opfer aufgeführt,
denen in Dahn, Busenberg und Erlenbach je ein STOLPERSTEIN gesetzt wird:

Dahn, Schäfergasse 8 (Judengasse) - Steine Nr. 01, 02, 03, 04
(01) Ludwig Nußbaum, geboren am 21.08.1887 in Wonfurt (Unterfranken), war verheiratet mit Selma Nußbaum, geborene Blumenthal. Ludwig Nußbaum war zwanzig Jahre Lehrer an der israelitischen Schule in Dahn, ferner versah er die Ämter des Vorbeters und Schächters. Ludwig Nußbaum wurde am 11.06.1942 von Frankfurt/Main in ein Vernichtungslager im Osten deportiert, wo er umgekommen ist. Ludwig Nußbaum – am 30.01.2008 entfernt
(02) Selma Nußbaum, geborene Blumenthal, Frau von Ludwig Nußbaum, geboren am 06.08.1891 in Hüttengesäß bei Hanau, wohnte in Dahn in der Schäfergasse 8 (Judengasse). Am 11.06.1942 wurde sie mit ihrem Mann von Frankfurt/M. in ein Vernichtungslager im Osten deportiert, wo sie umgekommen ist. Selma Nußbaum– am 30.01.2008 entfernt
(03) Ilse Nußbaum, Tochter von Ludwig und Selma Nußbaum, ist am 16.08.1922 in Dahn, Schäfergasse 8 (Judengasse), geboren. Sie besuchte die israelitische Schule und später die katholische Volksschule. Ilse Nußbaum ist mit ihren Eltern 1934 nach Frankfurt/M. und später nach Berlin gezogen. Von dort wurde sie 1943 nach Auschwitz deportiert, wo sie umgekommen ist. Ilse Nußbaum– am 30.01.2008 entfernt
(04) Dorothea Nußbaum, geborene Klein, Mutter von Lehrer Ludwig Nußbaum, geboren am 13.06.1860, lebte im Haushalt ihres Sohnes in Dahn, Schäfergasse 8 (Judengasse). Dorothea Nußbaum wurde am 18.08.1942 nach Theresienstadt und am 26.09.1942 unter der Transportnummer Br 947 in das Vernichtungslager Treblinka deportiert, wo sie umgekommen ist. Dorothea Nußbaum – am 30.01.2008 entfernt


Dahn, Grabenstraße 11 - Steine Nr. 05, 06, 07, 08, 09
(05) Regina (Dina) Levy, geborene Stern, geboren am 16.04.1865 in Höchberg, verheiratet mit Simon Levy I., Dahn, Grabenstraße 11. Sie verzog am 23.04.1935 nach Böchingen, von dort nach Düsseldorf. Dina Levy wurde am 21.07.1942 mit dem Transport VII/1 nach Theresienstadt und am 26.09.1942 mit dem Transport Br 947 nach Treblinka deportiert, wo sie umgekommen ist.
(06) Gerda Levy, verheiratete Wolff, Tochter von Regina und Simon Levy I., geboren am 15.07.1889 in Dahn, Grabenstraße 11. Sie wurde zusammen mit ihrem Mann Siegfried Wolff am 22.10.1940 von Heidelberg nach Gurs/Südfrankreich und am 12.08.1942 mit dem Transport Nr. 18 über Drancy/Paris nach Auschwitz deportiert, wo sie umgekommen ist.
(07) Martha Levy, verheiratete Schwarz, Tochter von Regina und Simon Levy I., geboren am 14.12.1890 in Dahn, Grabenstraße 11, verheiratet mit Emil Schwarz aus Pirmasens. Martha und Emil Schwarz wurden 22.10.1940 von Mannheim nach Gurs/Südfrankreich deportiert. Emil Schwarz wurde am 06.03.1943 nach Majdanek und Martha Schwarz 1942 über Drancy/Paris in den Osten deportiert, wo sie umgekommen ist.
(08) Friedrich (Fritz) Levy, Sohn von Regina und Simon Levy I., geboren am 29.01.1900 in Dahn, Grabenstraße 11, war von Beruf Händler. Er verzog am 31.01.1933 mit seiner Familie von Dahn nach Pirmasens in die Schäferstraße 55. Am 01.09.1939 musste er mit seiner Frau Johanna, geborene Fetterer, Pirmasens (Rote Zone) verlassen und zog nach Stuttgart. Hier war er in einem Industriebetrieb als Zwangsarbeiter eingesetzt. Am 26.04.1942 wurde Fritz Levy von Stuttgart nach Izbica (Polen) und im März 1943 nach Auschwitz deportiert, wo er umgekommen ist.

(09) Johanna Levy, geborene Fetterer, Frau von Fritz Levy, geboren am 26.02.1902 in Schorndorf Kreis Waiblingen. Am 26.04.1942 wurde Johanna Levy mit ihrem Mann Fritz Levy von Stuttgart nach Izbica (Polen) und im März 1943 nach Auschwitz deportiert, wo sie umgekommen ist.

Busenberg, Kirchstraße 4 - Steine Nr. 10, 11
(10) Leo Isaak Levy, geboren am 12.05.1900 in Busenberg, Kirchstraße 4, war Viehhändler und besaß eine kleine Landwirtschaft. Am 01.10.1938 verzog er mit seiner Familie zu seinen Schwiegereltern nach Schifferstadt, Bahnhofstraße 48 (Synagoge). Am 22.10.1940 wurde er mit seiner Frau nach Gurs/Südfrankreich und am 16.09.1942 mit dem Transport Nr. 33 mit dem Zug Nr. D 901/28 um 08.55 Uhr von Drancy/Paris nach Auschwitz deportiert, wo er umgekommen ist.
(11) Meta Carola Levy, geborene Löb, Frau von Leo Isaak Levy, geboren am 13.10.1904 in Schifferstadt, wohnte in Busenberg, Kirchstraße 4. Sie verzog mit ihrer Familie am 01.10.1938 nach Schifferstadt, Bahnhofstraße 48 (Synagoge) zu ihren Eltern. Sie wurde am 22.10.1940 nach Gurs/Südfrankreich und am 16.09.1942 mit dem Transport Nr. 33 mit dem Zug Nr. D 901/28 um 08.55 Uhr von Drancy/Paris nach Auschwitz deportiert, wo sie umgekommen ist.


Busenberg, Talstraße 8 – Steine 12, 13, 14
(12) Simon Strauß, geboren am 01.01.1863 in Hammelburg, wohnte in Busenberg, Talstraße 8. Er war Lehrer an der israelitischen Schule, Vorstand und Vorbeter der israelitischen Kultusgemeinde Busenberg und Schächter in Busenberg und Erlenbach. Er zog am 11.12.1937 mit seiner Familie nach Frankfurt und wurde 1941/1942 von Frankfurt/M. nach Theresienstadt deportiert, wo er umgekommen ist.
(13) Friederike Strauß, geborene Heimann, Ehefrau von Simon Strauß, geboren am 02.06.1866 in Ziegenhain (Franken), wohnte in Busenberg, Talstraße 8. Sie zog am 11.12.1937 mit ihrer Familie nach Frankfurt und wurde 1941/1942 von Frankfurt/M. nach Theresienstadt deportiert, wo sie umgekommen ist.
(14) Erna Falk, geborene Garbaski, Enkelkind von Simon und Friederike Strauß, geboren am 29.07.1921 in Frankfurt/M. Sie wuchs in Busenberg auf und besuchte dort die Volksschule. Am 11.12.1937 zog Erna Falk mit ihrer Mutter nach Frankfurt/M. Vor ihrer Deportation hat Erna Herbert Falk aus Wallau geheiratet. Erna Falk wurde mit ihrem Mann nach Polen in das Ghetto Warschau deportiert und gilt als verschollen.


Busenberg, Hauptstraße 49 – Steine 15, 16, 17, 18, 19
(15) Alfred Lazarus Schwarz, geboren am 23.03.1889 in Busenberg, Hauptstraße 49, war von Beruf Viehhändler. Am 01.09.1936 verzog Alfred Schwarz mit seiner Familie nach Pirmasens, Landauerstraße 56. Am 01.09.1939 musste die Familie Albert Schwarz Pirmasens verlassen (Rote Zone) und zog nach Düsseldorf-Oberkassel. Mit seiner Frau und zwei Söhnen wurde Alfred Schwarz am 10.11.1941 von Düsseldorf in das Ghetto Minsk deportiert und gilt als verschollen
(16) Berta Schwarz, geborene Levy, Ehefrau von Alfred Lazarus Schwarz, geboren am 05.08.1892 in Dahn, Grabenstraße 11, Tochter von Dina und Simon Levy I. Sie wohnte in Busenberg, Hauptstraße 49. Verzog am 01.09.1936 nach Pirmasens, Landauerstraße 56 und am 01.09.1939 mit ihrer Familie von Pirmasens nach Düsseldorf-Oberkassel. Sie wurde am 10.11.1941 in das Ghetto Minsk deportiert und gilt als verschollen.
(17) Ernst Schwarz, Sohn von Alfred und Berta Schwarz, geboren am 29.09.1919 in Busenberg, Hauptstraße 49, war als Kaufmännischer Lehrling tätig. Nach seiner Entlassung aus dem KZ Dachau emigrierte Ernst Schwarz 1939 nach Paris. 1940 wurde er in das Internierungslager St. Cyprien (bei Perpignan) gebracht, von dort nach Gurs/Südfrankreich und am 18.08.1942 mit Transport Nr. 20 über Drancy/Paris nach Auschwitz deportiert, wo er umgekommen ist.
(18) Heinz Leopold Schwarz, Sohn von Alfred und Berta Schwarz, geboren am 31.05.1931 in Busenberg, Hauptstraße 49. Er ist am 01.09.1936 mit seinen Eltern nach Pirmasens, Landauerstraße 56 und am 01.09.1939 von Pirmasens nach Düsseldorf-Oberkassel verzogen. Heinz wurde am 10.11.1941 in das Ghetto Minsk deportiert und gilt als verschollen.
(19) Ludwig Schwarz, Sohn von Alfred und Berta Schwarz, geboren am 23.11.1933 in Busenberg, Hauptstraße 49. Er ist am 01.09.1936 mit seinen Eltern nach Pirmasens, Landauerstraße 56 und am 01.09.1939 von Pirmasens nach Düsseldorf-Oberkassel verzogen. Ludwig wurde am 10.11.1941 in das Ghetto Minsk deportiert und gilt als verschollen.


Erlenbach, Hauptstraße 4b - Steine Nr. 20, 21, 22
(20) Friederika (Frieda) Samuel, geborene Teutsch, Frau von Leopold Samuel, geboren 1863 in Venningen, wohnte in Erlenbach, Hauptstraße 4 b (früher 40). Frieda Samuel wurde am 22. Oktober 1940 nach Gurs/Südfrankreich deportiert und ist dort umgekommen.
(21) Jakob Samuel, Sohn von Friederika Samuel, geboren am 21.06.1898 in Erlenbach, Hauptstraße 4 b (früher 40). Jakob Samuel wurde am 22.10.1940 nach Gurs/Südfrankreich und 1942 über Drancy/Paris nach Auschwitz deportiert, wo er umgekommen ist.
(22) Amalia (Milly) Samuel, Tochter von Friederika Samuel, geboren am 22.01.1906 in Erlenbach, Hauptstraße 4 b (früher 40). Milly Samuel wurde am 22.10.1940 nach Gurs/Südfrankreich und 1942 über Drancy/Paris nach Auschwitz deportiert, wo sie umgekommen ist.


Erlenbach, Hauptstraße 23 - Steine Nr. 23, 24
(23) Bernhard Pfeiffer, geboren am 06.03.1867 in Erlenbach, wohnte in der Hauptstraße 23 und war von Beruf Viehhändler und Versicherungsagent. Bernhard Pfeiffer wurde in den Osten deportiert und gilt als verschollen.
(24) Lina Pfeiffer, geborene Stein, Ehefrau von Bernhard Pfeiffer, geboren am 28.08.1881 in Großkarlbach. Lina Pfeiffer wurde 1942 nach Auschwitz deportiert, wo sie umgekommen ist.

Erlenbach, Hauptstraße 40 - Stein Nr. 25
(25) Siegfried Pfeiffer, geboren am 20.04.1908 in Erlenbach, Hauptstraße 40 (früher 10). Er ist nach Ludwigshafen/Rh. verzogen. Von dort wurde er am 22.10.1940 nach Gurs/Südfrankreich und 1942 über Drancy/Paris nach Auschwitz deportiert, wo er umgekommen ist.


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